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BRIANS HOMEPAGE | SATIRE-ECKE | DIETER NUHR
Persönliches

1960 Als letzte Maßnahme im Rahmen des Wiederaufbaus der im zweiten Weltkrieg meistzerstörten Stadt Deutschlands, Wesel, erblickt der Zweitgeborene einer Beamtendynastie das Licht der Welt.
1966 Kurz vor Beginn der revolutionären Umtriebe der 68er Generation beginnt Nuhrs Karriere mit der Einschulung. Frau Herrmann fördert seine Schriftlichkeit.
1979 Nuhr beweist die weitgehende Niederschlagung seines Analphabetentums mit der bestandenen Abiturprüfung. 15 Punkte im Sport retten ihn vor einer weiterführenden Schullaufbahn.
1981 Der Abschluß des zivilen Dienstes am Volkskörper spuckt den Künstler wieder in die wirkliche Welt.
1989 16 Semester Kunst und Geschichte lassen den angehenden Kabarettisten mit sinnlosem Staatsexamen zurück.
1987 bis 94 Ensemblekabarett, in dem der Künstler jede Menge seltsame Dinge auf der Bühne tut, aber auch sein Handwerk übt. Er verdankt fremden Menschen, dass er so die Fähigkeit für seinen heutigen Broterwerb erlangen kann.
1994 Beginn der Solokarriere: "Nuhr am nörgeln!" Nuhr spielt sich in die Kabarettbundesliga und vergisst, dass man abends auch andere Dinge unternehmen kann, außer auf der Bühne zu stehen.
1996 "Nuhr weiter so"; Nuhr beginnt sein Spezialreporterdasein beim ZDF und läßt seine Programme televisionär ablichten.
1998 Deutscher Kleinkunstpreis. "Nuhr nach vorn". Nuhr erkennt immer noch alle Familienmitglieder, auch wenn er sie manchmal verwechselt.
2000 "www.nuhr.de", Bayerischer Kabarettpreis
2002 "www.nuhr.de/2"
2003 "Nuhr vom Feinsten"
2004 "Ich bin's Nuhr"
2007 "Nuhr die Wahrheit"
2009 "Nuhr die Ruhe"
2011 "Nuhr unter uns"
2094 Nuhr erhält für sein Programm "Nuhr hundert Jahre unterwegs" die "Bad Wildunger Bettpfanne" in Gold.
2251 Nuhr stirbt, seine Beerdigung wird aufgezeichnet. Karten für die Veranstaltung sind an den bekannten Vorverkaufsstellen erhältlich.

Quelle u.a. "nuhr nach vorn"-CD-Cover, Auflistung ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Dieter Nuhr



Meine Lieblingszitate...

Alle diese Zitate stammen aus oben genannten Programmen, die auf CD zu bestellen
sind oder sind bei anderen Gelegenheiten (TV) von mir aufgeschnappt worden.
Mehr zu und von Dieter Nuhr unter www.nuhr.de

Die Veröffentlichung dieser Zitate auf dieser Seite erfolgt mit freundlicher Genehmigung
von Dieter Nuhr (Januar 2003)



Alter, Jugend und Erziehung

Mein Krisengefühl hat bei der WM 1994 angefangen, nicht weil unsere Jungs da ausgeschieden sind - das war mir eigentlich völlig wurscht - sondern wie ich gesehen habe, wie die älteren Spieler bei der Hitze einfach versagt haben. Wie der Brehme da arthroseartig am linken Flügel lang ist... Wie oft habe ich da im Sessel gesessen und habe gedacht: "Mensch, nimm ihn endlich raus, den alten Sack!"...
DER IST SO ALT WIE ICH!

Wenn ich heute die Musik höre, die junge Leute heute hören, da kann ich nichts mehr mit anfangen, das ist für mich immer das gleiche Bumm-Bumm. Das Blöde ist bloß, das haben meine Eltern auch gesagt.

Es ist für das absolut Letzte, wenn Pädagogen Kinder erziehen. Hans-Peter, so heißt der Vater, kauft auch immer nur pädagogisch wertvolles Spielzeug, z. B. aus Holz. Ich sage immer, wenn Hans-Peter etwas mehr für Plastik übrig hätte, dann wäre ihm die Sache mit Lars gar nicht passiert.

Die Musik, auf die wir früher abgefahren sind, wir heute in den Discos doch eh nicht mehr gespielt. Die Musiker sind doch entweder alle tot oder sie sind immer noch auf Tournee und man weiß nicht, was besser ist.

Lars, vier Jahre alt, der Sohn von Hans-Peter, hatte Geburtstag und ich habe dann ein Holzauto gekauft, worauf Hans-Peter dann gleich gesagt hat, ob ich wahnsinnig geworden wäre, ein AUTO, schon aus ökologischen Gründen! Ich habe dann versucht, mich zu verteidigen, habe dann gesagt: "Ja, ich habe ja nicht voll getankt..."

Hans-Peter hat früher ja immer gesagt: Verbote schaden der Seele. Ein Kind muss selber seine Grenzen erfahren. Kann man schwer etwas gegen sagen, ein Kind muss wohl selber mal aus dem vierten Stock gefallen sein, um zu wissen:
DAS mache ich nicht noch einmal. Was in den meisten Fällen dann ja auch stimmt. Ich bin der Meinung das man physische und psychische Schäden auch gegenrechnen muss. Also, wenn mein Kind den Herd rauf klettert, würde ich nicht warten, bis es auf der Platte fest geklebt ist. Da würde ich vorher vielleicht einmal ein Verbot aussprechen, seelische Schäden durchaus billigend in Kauf nehmen.

Bei Hans-Peter darf Lars alles, alles anfassen, alles in den Mund nehmen. Gerade, wenn er bei mir ist. Und wenn Lars dann aus dem Blickfeld entschwunden ist, dann hat man den Schweiß auf der Stirne stehen. Ich versuche Hans-Peter schon immer ganz vorsichtig auf die eventuelle Katastrophe hinzuweisen, ich bin da sehr sensibel. Ich sage dann:
"Hör mal, wenn Lars meinen Abbeizer ganz leer trinkt, dann muss ich gleich noch mal rüber zum Baumarkt." Rumms, da geht er an die Decke, warum ich denn nicht früher etwas gesagt hätte... Aber man will ja auch nicht geizig erscheinen, die Flasche kostet 4,95 DM...

Die antiautoritäre Erziehung wird mittlerweile ja für jedes unsoziale Verhalten schuldig gemacht. Ich halte das für blanken Unsinn. Wer drängelt denn im Supermarkt vor, das sind immer Rentner. Die antiautoritäre Erziehung hat es auch nie bis zum Weltkrieg gebracht, der Holocaust kam ja aus der bürgerlichen Ohrfeigen-Erziehung. Wobei ich nicht sagen möchte, das ich antiautoritär erzogenen Kindern keinen Völkermord zutraue, den traue ich grundsätzlich jedem zu, aber antiautoritär erzogene Menschen sind dann meist für die effektive Durchführung viel zu unorganisiert.

Was ich meiner Mutter abgewöhnen konnte, ist diese Sache mit dem Taschentuch und der Spucke. Da habe ich einen guten Ratschlag: einmal Erbrechen hilft ein Leben lang.



Andere Länder...

In Italien wird einem ja alles geklaut, da fahre ich nicht mehr in den Urlaub hin. Letztes mal haben sie mir schon in Innsbruck die Brieftasche geklaut.

Der einzige Grund, warum uns der Österreicher ins Land läßt, ist, weil er bisher keinen Weg gefunden hat, wie er uns dazu bringen könnte, zu Hause zu bleiben und das Geld einfach zu überweisen. Lachen sie nicht, die Schweizer haben das geschafft.

Bei der WM 1998 habe ich mir Österreich gegen Kamerun angeschaut und Mitte der zweiten Halbzeit habe ich plötzlich so bei mir gedacht: Was machst du hier eigentlich??! Österreich-Kamerun?! Was verbindet man mit diesen beiden Ländern? Auf der einen Seite haben wir Exoten, fremde Kultur, wilde Riten - auf der anderen Seite: Kamerun!



Kirche & Glauben

Die letzte moralische Diskussion, das Erlanger Baby, die tote Schwangere. Diese künstlich am Leben gehaltene Mutter war ja das Spiegelbild der katholischen Kirche. Das Herz schlägt noch, aber das Hirn ist tot. Die Kirche glaubt ja, dass Maria sei schwanger und Jungfrau gewesen. Die Wissenschaft weiß, dass Maria den Josef furchtbar übers Ohr gehauen hat.

Der Papst will doch gar nicht wissen, ob die Erde eine Kugel ist. Er will wissen, was es kostet, wieder eine Scheibe daraus zu machen.

Das ist für mich der Grund, warum Gott nicht vollkommen sein kann. Weil er diesen unglaublich dummen Fehler in die Schöpfung eingebaut hat: dass er die Augen schließbar gemacht hat, aber die Ohren nicht.



Lifestyle

1973 war völlig klar, wenn ich nicht mehr atmen konnte, saß die Hose richtig.

Brötchen holen ist ohne Mountainbike ja nicht mehr vorstellbar. Ständig haben sie so einen Knallkopf auf der Kühlerhaube, der wie in Trance versucht, zwischen 21 Gängen hin und her zu schalten.

Ich mag ja überhaupt keine Charterflüge. Allein die Vorstellung, wenn da etwas schief geht, mit den Typen drei Tage in einer Rettungsinsel...

Haben sie es schon mal geguckt? VIVA? Müssen sie mal machen. Eine Stunde VIVA, da begreifen sie, dass das Alter im Hinblick auf den nahenden Tod, auch eine Gnade sein kann.

Früher, wenn man da Luft im Schädel hatte, da kam man in eine Anstalt. Heute kommt man ins Fernsehen und darf der ganzen Welt mitteilen, warum das unglaublich geil ist, Luft im Schädel zu haben. Und am nächsten Tag versuchen sich alle Luft in den Kopf zu pumpen und alle Luftpumpen sind ausverkauft.

Früher dachten wir: ich denke, also bin ich. Heute wissen wir: komm, geht auch so.

Warum muss heute immer alles stressiger werden? Früher brauchten die Menschen für 50 Kilometer einen ganzen Tag, das haben die auch überlebt. Dann wurde das Auto erfunden und plötzlich brauchte der Mensch für 50 Kilometer nur noch eine halbe Stunde. Und was haben die Menschen mit all der gesparten Zeit gemacht? So viele Autos produziert, dass man für 50 Kilometer wieder einen ganzen Tag braucht.



Männer & Frauen

Früher war das mit der Liebe auch viel spannender, ich war mit 18 doch froh, wenn ich ungefähr wusste, wo die Geschlechtsorgane liegen. Heute wollen die Frauen G-Punkt-Massage, Kamasutra-Kenntnisse, multiple Orgasmusgarantie - das musst du alles vorher unterschreiben. Da ist man als Mann denn oft verunsichert und denkt so: "Hey, da liegt ja gar keine Betriebsanleitung bei. Da mache ich es mir lieber selbst, bevor ich etwas kaputt mache."

Wenn es sich ein Mann im Fernsehen erlauben würde, einen Beitrag über weibliche Orgasmusprobleme ähnlich süffisant anzumoderieren, wie einige Frauen dies bei Beiträge zu Viagra getan haben, würden die den Kerl am Ortseingangsschild aufhängen - und dann noch Viagra darunter streuen, damit es nicht abbricht.

Frauen sind so kompliziert, Männer sind da wie Automaten, wirfst du oben etwas rein, kommt unten etwas raus. Aber Frauen, das sind komplex konfigurierte Maschienen, ruckzuck ist da der falsche Treiber geladen, schon kommen die ersten Fehlermeldungen, Anwendungen reagieren nicht mehr und am Ende hängt das ganze System.

Menschen kennen heute ja auch keine Distanz mehr, kaum schläft man ein paar mal miteinander, wird schon nach dem Vornamen gefragt.

Wenn Frauen ein Handy benutzen, dann wollen sie telefonieren oder SMS verschicken. Männer verbringen ihr halbes Leben damit, Klingeltöne aus dem Internet herunter zu laden und merken gar nicht, dass sie seit Jahren niemand mehr angerufen hat.

Männer lesen Fachzeitschriften fürs Telefonieren. Haben sie schon einmal eine Frau eine Zeitschrift wie connect kaufen sehen? Frauen kaufen Zeitschriften, wo Fotos von Frisuren drinnen sind, und ich denke, damit sind wir quitt!

Warum kaufen sich Frauen immer mehr Schuhe und nicht mal ein paar zusätzliche Füße, dass sie die Latschen auch tragen können.



Natur & Umwelt

Die beste Verpackung für Milch ist eine Kuh - weil man die Verpackung mitessen kann.

Hier sollte noch ein toter Steinadler liegen als Anklage gegen die Naturzerstörung. Den hatte ich sogar schon besorgt. Ich hatte das Tier extra ökologisch korrekt mit einem Knüppel aus nachhaltigem Plantagenanbau erschlagen. Aber der fing dann schon an zu stinken. Und man kann ja nicht jede Woche einen neuen erschlagen, von den Viechern gibt's ja nur noch zwanzig Paar. Also jetzt neunzehn...

Auf jeden Fall so ein Hund, wo auch die Leine lächerlich aussieht, wofür bindet man sowas an, sowas läuft doch nicht weg, sowas hat man sich zugezogen, das wird man nie mehr los, das ist wie eine Infektion. Eine überdimensionale Bazille. Eine Bazille, die Stöckchen holen geht. Mit anderen Worten: dümmer als eine Amöbe.

Und das dauert ja auch immer alles, der deutsche Wald stirbt jetzt schon seit zwanzig Jahren, das lähmt dann auch irgendwie die Panik. Ich schaffe das manchmal gar nicht mehr, dieses ständige Panikgefühl aufrecht zu erhalten. Es gibt Momente, da habe ich Anfälle von Optimismus. Da geht es mir derartig gut... das macht mich depressiv.

Ich kenne Leute, die aus ökologischen Gründen aufs Auto verzichten und im Urlaub mit dem Rucksack nach Neuseeland fliegen. Für so einen Flug nach Neuseeland könnten die, ökobilanztechnisch gerechnet, für den Rest des Jahres mit dem Vierzigtonner zur Arbeit fahren.

Ich kenne auch Leute, die auf der Landstraße jedem Igel ausweichen und dabei ganze Wandergruppen auseinander sprengen.

Soweit sind wir genetisch von einem Schwein ja nicht entfernt. Ich denke das jedes mal, wenn ich in eine Metzgerei rein gehe, dass das ein reiner evolutionärer Glücksfall ist, dass ich auf der Seite der Theke stehe.



Philosophie & Moral

Kants kategorischer Imperativ ist ja zum Klospruch verkommen: Verlasse diesen Ort so, wie du ihn vorzufinden wünscht. Und nicht einmal daran hält sich jemand. Wenn ich auf Tour bin, das sind zum Teil Zustände. Am schlimmsten ist es auf dem Nürnberger Bahnhof, wenn sie dort mal aufs Klo müssen, fahren sie nach Fürth!
Ich denke dann auch immer: Mein Gott, wenn uns mal Außerirdische besuchen und die geraten aus irgendwelchen Gründen auf dieses Bahnhofsklo...
Selbst wenn die mit friedlichen Absichten gekommen sind, werden die uns, wenn sie nur einen Funken Verstand haben, aus hygienischen Gründen vernichten.

Ist der Moralverfall nicht auch die Freiheit, die wir uns immer gewünscht haben. Fahre ich halt auf der Gegenspur nach Hause, ist doch egal. Das wünschen sich viele Menschen, mal richtig frei sein - und berühmt. Fahre ich halt so lange auf der Gegenspur, bis ich im Radio komme.



Sinn, Unsinn & Hintersinn

In Spanien ist letztens beim Stierkampf der Torero aufgespießt worden, war wohl auch tot, da haben die den Stierkampf einfach abgebrochen. Was soll denn das? In der Bundesliga wird ja auch nicht das Spiel abgebrochen, wenn die Gastmannschaft gewinnt...

Die einzige Chance, das Leben zu verstehen, ist, Fragen zu stellen. Wenn ich zum Beispiel einen Säugling sehe, einen neuen Menschen, ein Wunder, wie er da so sein Breichen muffelt. Da muss ich doch fragen, wie schafft es die Firma Hipp, eine Kohlroulade in einen grellfarbigen Gelee zu verwandeln.

Die Erde kreist um die Sonne, die Sonne kreist um das Zentrum unserer Galaxie, aber nach siebzehn Metaxa kreist doch wieder alles um mich!

Wenn in der DNS an einer ganz bestimmten Stelle in ganz bestimmtes Gen ist, dann kann das ja heißen, der Mann wird Klempner, nur als Beispiel. Hier greift nun der Gentechnologe ein, setzt da etwas ein, nimmt hier etwas weg, dann haben wir einen transgenen Klempner, der Mann ist dann zum Beispiel plötzlich Installateur. Und hat vielleicht sogar zusätzliche positive Eigenschaften, ist dann resistent gegen Borkenkäfer und Pilzbefall.
Da gehen jetzt die Umweltschützer hin und sagen: Was ist denn, wenn über die Gentechnik Fremdgene in die Natur, also auch in die Nahrungskette gelangen und dadurch auch wieder in unseren Körper. Gut, was ist dann?
Ich muss ihnen ehrlich sagen, ich esse Nahrungsmittel, ich paare mich nicht mit ihnen. Wenn ich einen Apfel esse, dann werfe ich doch nicht im Herbst die Blätter ab.

Es wird ja alles immer kleiner. Stereoanlagen zum Beispiel, als ich siebzehn war, mussten die Boxen bis zur Decke gehen. Dann fingen die plötzlich an mit diesen Mini-Anlagen, jetzt gibt es schon Mikro. Bald muss ich die CDs falten, damit die überhaupt da rein gehen.

Alles wird immer komplizierte, auch die Probleme, Ozon zum Beispiel. Lassen sie es im Sommer mal wieder richtig heiß werden, dann haben wir oben wieder zuwenig, unten zuviel Ozon. Tagsüber baut die Sonne mit den Abgasen das Ozon auf, nachts bauen dieselben Abgase ohne Sonne das Ozon wieder ab, nur etwas langsamer. Wie soll man denn das begreifen? Irgendwann steht bei mir in der Dämmerung die Polizei vor der Tür und sagt: Herr Nuhr, fahren sie mal eine Runde, das Ozon muss weg!

Wieso predigt meine Mutter Sparsamkeit und ist dann sauer, wenn ich zwischen zwei und fünf Uhr morgens anrufe?

Wie soll ich mich in einem vereinten Europa zurecht finden, ich kann ja nicht einmal bei mir zu Hause am Fahrkartenautomat die Tarifzonen entziffern. Wabe 430...? Da fahre ich doch lieber schwarz. Da ist der Tarif wenigstens einheitlich.



Staat & Gesellschaft

Ohne die deutsche Führungselite gibt es keinen neuen Faschismus. Nicht das ich glaube, die wären jetzt moralischer oder integrer. Die deutsche Wirtschaft war ja nie aus grundsätzlichen Erwägungen gegen Ausländermorde, das war ja nie deren Argument.
Deren Argument war ja immer: es rechnet sich nicht. Das haben die doch eigentlich immer erstaunlich offen zugegeben. Immer, wenn es wieder ein Pogrom gab oder irgendwo wurde was angezündet, dann haben die aufgeschrien: "Lasst das doch, das schadet unserem Ansehen in der Welt und dadurch dem Export." Grundsätzlich ist unsere Wirtschaft für jeden profitablen Massenmord zu haben, wenn es um die Finanzierung oder Waffen geht...

Fleisch an sich ist ja auch eine gesunde Sache, weil die Viecher im Zuchtbetrieb ja derartig viel Antibiotika kriegen, Cortisone, da ist man als Fleischesser resistent gegen alles. Und man sieht es auch gelassen, die kriegen ja auch Beruhigungsmittel und Betablocker. Wer sich da aufregt, hat eindeutig zu viel Gemüse gegessen. Aber Schwermetalle sind natürlich auch ein Problem, in Schleswig-Holstein soll es eine Kuh gegeben haben, die musste vom Schmied geschlachtet werden.

Setzen Sie sich mal für zwei Stunden in die U-Bahn und gucken sich mal die Gestalten an, die da ein- und aussteigen. Da kann man doch nicht mehr für ein allgemeines Wahlrecht eintreten.

Waren sie in letzter Zeit mal in einem T-Punkt? Eine Freundlichkeit, die haben da Kundendienst. Das hat es da doch früher nicht gegeben. Das war früher Post! Für so einen Fernmeldebeamten bestand doch das Wort Kundendienst schon allein aus zwei einzelnen Worten, die er gar nicht verstanden hat. Kunde und Dienst, wobei Dienst ja von dienen kommt, einem Verb - einem TU-Wort.

Wenn man da früher bei der Post gearbeitet hat, dann hatte man sich für eine dauerhafte seelische Konsolidierung entschieden. Eine Art autogenes Training, das dann etwa 45 Jahre angedauert hat. Meine Arme sind schwer, ganz schwer, bleiern schwer...

Ägypten war ja eine Hochkultur, aber wenn man da als Sklave beim Bau der Pyramiden schuften mußte, war das auch nicht so toll. Kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen, da haben 150.000 Menschen 35 Jahre lang an so einem Ding gearbeitet. Gut, sie sagen, heute arbeiten doppelt so viele Leute doppelt so lange allein an der Baugenehmigung.
Versuchen sie heute mal eine Baugenehmigung für ein Haus mit schrägen Wänden und ohne Fenster zu bekommen. Kriegen sie gar nicht. Das ist Zivilisation, bei uns hätten die Pyramiden auf jeder dritten Stufe einen Feuerlöscher.

Auf der Autobahn kann so ein kleiner Hubbel sein, zwei Kilometer vorher werden sie runter gebremst auf 60 km/h, da kommen die ganzen Warnschilder mit den Ausrufezeichen drauf, Warnhinweise, Baken, die die Spur abtrennen, alles blinkt und leuchtet...
Gut, man hätte auch den Hubbel weg machen können, aber das ist ja nicht der Sinn der Sache: Der Staat will uns zeigen, mach dir keine Sorgen, wir kümmern uns darum.



Was sonst noch auffiel...

Ich ärgere mich zum Beispiel immer wahnsinnig, wenn mir die Leute auf der Autobahn immer zwei Meter hinten drauf fahren, mit Blinker und Lichthupe. Aber noch mehr ärgern mich diese sturen Typen, denen kannst du mit Blinker und Lichthupe an der Stossstange hängen, das Arschloch geht einfach nicht rüber...

In den Siebzigern haben wir doch gar nicht mehr an eine Zukunft geglaubt. Deswegen haben wir uns dann ja auch für das Lehramt eingeschrieben: Ist doch eh egal und wenn schon keine Zukunft, dann wenigstens nachmittags frei.

Ich habe einmal einen Club-Urlaub gemacht, am schlimmsten waren für mich die bunten Abende. Tanzen?! Bitte wer möchte, kann ja, darf ja, soll ja, bitte schön - aber doch nicht ich! Mit einer handwarmen Apfelsine an der Stirne, ich Auge in Auge mit einer 45jährigen Sachbearbeiterin, ihr Atem streift mich, eine Mischung aus Tequila und Tsatsiki. Da geht ihnen nur ein Gedanke durch den Kopf: Wenn das die Krone der Schöpfung ist, wie riecht dann der Rest.

Ich verstehe von Wirtschaft ja soviel wie etwa 90 Prozent der Bevölkerung: nix! Aber eine Meinung haben ja alle, zu Aktien, zum Euro...
Das ist so schrecklich, dass heute jeder Idiot zu allem eine Meinung hat. Ich glaube, das ist damals falsch verstanden worden ist mit der Demokratie: Man darf in der Demokratie eine Meinung haben, man muss nicht. Wenn man keine Ahnung hat: Einfach mal Fresse halten!
Heutzutage ist das meiste Gerede derartig leer, das ist Geräuschübertragung, das hat mit Kommunikation nichts zu tun.

Ich glaube, man sagt heute nicht mehr Vollidiot, sondern kognitiv suboptimiert.

Wenn der Hirntod wirklich ein Indiz für das Lebensende wäre, dann müssten in Deutschland ganze Bevölkerungsgruppen begraben werden.

Ich muss bei Türgeschäften besser aufpassen, ich lasse mir da immer was andrehen, furchtbar. Die ganze Wohnung ist voll von Blümchenpostkarten, ich hasse Blümchenpostkarten. Selbst wenn die mit dem Mund gemalt und mit dem Hintern trocken geföhnt sind...
Was ich schon alles gekauft habe: Wäscheklammern, Schrubber - wenn bei uns jemand einbricht, dann denkt der, er ist in einer Behindertenwerkstatt.

Im Mittelalter glaubten die Menschen, irgendwann kommt der Messias. So ähnlich ist es bei mir mit dem Installateur. Ich glaube, dass er kommt, aber wann? Ich persönlich glaube, dass der Messias vor ihm eintrifft.

In Berlin bin ich in der U-Bahn an so einem Kondomautomaten vorbei gekommen, so ein ganz alter, schmieriger, verrosteter Automat, da habe ich gedacht: "Och guck mal, ein Automat, wo man die Krankheit mitziehen kann!"

Ich weiß nicht, ob ich in einem Land leben möchte, in dem das Klopapier "Danke" heißt. Eigentlich aber auch ein schönes Muttertagsgeschenk - statt Merci.

Ein Biochemiker hat mir erklärt: Menschliches Leben beginnt dann, wenn der Rauhaardackel tot ist und die Kinder aus dem Haus sind.

In der Schöpfung ist der Mensch einzigartig, aber das sind Quallen auch. Gut, Menschen sind intelligenter als Quallen, dafür können Quallen länger unter Wasser bleiben. Die paddeln so durchs Wasser lalalala - so habe ich auch mal gelebt, aber dann war ich mit der Schule fertig.

Ich kann ja nichts, nicht singen oder tanzen... Und im Gegensatz zu vielen anderen lasse ich das dann auch!

Als ich in meiner Studentenbude gelebt habe, war ich nie krank, weil sich die Keime bei mir gegenseitig aufgefressen haben. Da stapelte sich das Geschirr in der Küche bis unter die Decke. Ja, warum sollten die Bakterien auf mich gehen, wenn in der Küche das Paradies wartet?

Man muss sich mit der Technik auch beschäftigen, sonst kommt man da nicht mehr hinterher. Irgendwann kann man mit dem Föhn Aktien kaufen, kommt dann an einen falschen Knopf, dann sind die Haare zwar trocken, aber sie gehören einem nicht mehr.

Es gibt jetzt einen Kühlschrank, der ist ans Internet angeschlossen, und der erkennt an einem BAR-Code, ob noch Milch da ist. Und wenn nicht, dann bestellt der welche. Und sie stehen daneben und denken: Wow - ich will gar keine Milch. Und dann sagt der Kühlschrank: Ich will aber Milch! Und das ist doch toll, gerade auch für Eltern, wo die Kinder gerade aus dem Haus sind, dass irgendwo in der Ecke noch ein trotziges Elektrogerät rum steht.

Ein Freund von mir arbeitet im Krankenhaus auf der Station, wo die ganzen Säuferleber liegen. Und der erzählt, noch eine Stunde vor der Operation hauen die sich den Schnaps in den Kopf. Und er sagt, die Patienten genauso!


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